Keine andere Straße in Österreich ist so stark befahren wie die A23 Südosttangente. An Spitzentagen rollen rund 200.000 Fahrzeuge über die Stadtautobahn, die den Süden und Osten Wiens durchquert. Für unzählige Pendlerinnen und Pendler gehört sie zum Alltag — und sie ist zugleich das sichtbarste Beispiel dafür, wie sehr das Wiener Straßennetz an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Kaum ein anderer Straßenabschnitt des Landes bündelt so viele unterschiedliche Verkehrsinteressen auf so engem Raum: Wirtschaft, Pendlerverkehr und städtisches Leben treffen hier unmittelbar aufeinander.

Die Tangente ist dabei weit mehr als eine einfache Umfahrung. Sie verknüpft mehrere zentrale Achsen des österreichischen Autobahnnetzes miteinander: die A2 Süd Autobahn, die A4 Ost Autobahn und die A22 Donauufer Autobahn laufen an ihr zusammen. Wer aus dem Süden, Osten oder Norden kommend durch oder um Wien fährt, landet damit fast zwangsläufig auf der A23. Damit übernimmt sie gleich mehrere Rollen zugleich: Sie ist Verteiler zwischen den Autobahnen, Zubringer zu den Wiener Bezirken und Umfahrung für alle, die die Stadt nur durchqueren wollen.

Ihr markantestes Bauwerk ist die Praterbrücke, über die die Autobahn die Donau quert. In unmittelbarer Nähe liegt der Knoten Prater, an dem sich mehrere Fahrbeziehungen kreuzen. Er gilt als einer der neuralgischen Punkte im gesamten Wiener Straßennetz: Stockt der Verkehr hier, wirkt sich das binnen kurzer Zeit auf weite Teile der Stadt aus — von den Zufahrten zur Donauinsel bis hinüber auf die andere Seite der Autobahn.

Warum die Tangente dauerhaft an ihre Grenzen stößt

Die Ursache der chronischen Überlastung liegt in der Funktion der A23 selbst. Auf einer einzigen Trasse bündeln sich gleich drei sehr unterschiedliche Verkehrsarten: Fernverkehr zwischen den angeschlossenen Autobahnen, regionaler Pendlerverkehr aus dem Wiener Umland und rein innerstädtische Fahrten. Eine echte Entflechtung dieser Ströme gibt es nicht — sie alle teilen sich dieselben Fahrstreifen. Anders als auf einer klassischen Fernverbindung gibt es auf der A23 kaum Abschnitte, auf denen sich diese Ströme wieder trennen — sie bleiben über weite Teile der Strecke miteinander vermischt.

Besonders deutlich zeigt sich das im Berufsverkehr. Morgens und abends herrscht auf der Südosttangente verlässlich Stau, weil Pendlerinnen und Pendler, Wirtschaftsverkehr und Durchreisende zur selben Zeit auf denselben Abschnitten unterwegs sind. Die A23 ist damit weniger eine klassische Verbindungsautobahn zwischen zwei Orten als vielmehr eine hochbelastete Stadtstraße im Autobahnformat — mit entsprechend wenig Verschnaufpausen im Tagesverlauf. Für Anrainerinnen und Anrainer wie für Berufspendlerinnen und -pendler bedeutet das: Verlässlichkeit beim Reisen wird zur Ausnahme, nicht zur Regel.

„Auf der Tangente bündelt sich der Verkehr einer ganzen Region — Tag für Tag.“

Maßnahmen gegen den Dauerstau

Um den Verkehrsfluss auf der A23 wenigstens zu verstetigen, kommen mehrere technische und bauliche Maßnahmen zum Einsatz. Verkehrsbeeinflussungsanlagen mit Überkopfanzeigen passen das zulässige Tempo laufend an die aktuelle Verkehrslage an. Sie harmonisieren so den Verkehrsfluss und warnen frühzeitig vor Stauenden oder Gefahrenstellen, bevor Fahrerinnen und Fahrer sie erreichen. Für Fahrerinnen und Fahrer bedeutet das mehr Vorhersehbarkeit, auch wenn sich die grundsätzliche Kapazitätsgrenze dadurch nicht verschiebt.

Für die Menschen entlang der Strecke spielen Lärmschutzwände eine wichtige Rolle, denn die Tangente führt mitten durch dicht besiedeltes Stadtgebiet. Parallel dazu laufen immer wieder Sanierungsarbeiten, unter anderem an der Praterbrücke, um die Substanz des Bauwerks langfristig zu erhalten. Solche Arbeiten sind unumgänglich, sorgen aber naturgemäß für zusätzliche Einschränkungen auf einer ohnehin stark beanspruchten Strecke. Ohne eine solche laufende Erhaltung wäre die Verfügbarkeit einer derart zentralen Verkehrsader auf Dauer nicht gesichert.

Die Entlastungsdiskussion: viele Ideen, kein Konsens

Seit Jahren wird diskutiert, wie die Südosttangente dauerhaft entlastet werden könnte. Ein Ansatz zielt auf eine großräumigere Verteilung des Verkehrs rund um Wien: Die S1 Wiener Außenring Schnellstraße soll Verkehr aufnehmen, der sonst zwangsläufig über die A23 geführt würde, und so einen Teil der Ströme um die Stadt herumleiten.

Deutlich umstrittener ist ein zweiter, seit Langem geplanter Ansatz: der Lückenschluss des Außenrings samt Lobautunnel. Befürworter sehen darin die wirksamste Möglichkeit, die Tangente spürbar zu entlasten. Kritikerinnen und Kritiker wiederum befürchten zusätzlichen induzierten Verkehr statt einer echten Entlastung und verweisen auf ökologische Bedenken. Ein politischer Konsens besteht bislang nicht — das Vorhaben bleibt ein offener, kontrovers geführter Diskussionspunkt und ist keineswegs eine beschlossene Sache. Bis eine Lösung gefunden ist, bleibt die Südosttangente damit auf absehbare Zeit die zentrale, aber auch die am stärksten beanspruchte Verkehrsachse der Stadt.

Tipps für Pendlerinnen und Pendler

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